Monday, 20th May 2019
20 Mai 2019

Toptransfers vom CL-Gegner?: Auf diese Ajax-Stars schielt der FC Bayern

Matthijs de Ligt und Frenkie de Jong werden gerade auf dem internationalen Transfermarkt hoch gehandelt.

Von Constantin Eckner


Es geht um den Gruppensieg – und um zwei Toptalente: In der Champions League trifft der FC Bayern auf Ajax Amsterdam. Weil der Klub die fußballerische Hochburg der Niederlande ist, sind zwei seiner Spieler auch für die Münchener interessant.

Das Hinspiel in der Gruppe E der Champions League zwischen dem FC Bayern und Ajax Amsterdam am 2. Oktober verlief alles andere als nach Plan für den Fußball-Bundesligisten, der beim 1:1 nur einen Punkt in der Münchner Arena behielt. Es war ein kleiner Warnschuss an ganz Europa, dass der große Klub aus Amsterdam wieder einmal eine goldene Generation heranzüchtet, wie es sie schon in den Siebziger und Neunziger Jahren gab.

So könnten Ajax Amsterdam und FC Bayern spielen.

Beim Rückspiel zwischen beiden Teams am diesem Mittwoch (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) geht es um den ersten Platz in der Gruppe E der Champions League und damit um eine zumindest auf dem Papier bessere Ausgangslage fürs Achtelfinale. Aber die Bayern werden sich nicht nur auf den Gegner an sich konzentrieren müssen, sondern vor allem auf zwei Spieler. Die Rede ist von Innenverteidiger Matthijs de Ligt und Mittelfeldspieler Frenkie de Jong, die dem Vernehmen nach das Interesse des Bundesligisten geweckt haben. Die 19 und 21 Jahre alten Jungstars bilden das Rückgrat bei Ajax wie auch in der niederländischen Nationalmannschaft. Das Interesse ist in Anbetracht der Qualität beider Spieler berechtigt. Bereits mit 18 Jahren trug de Ligt die Kapitänsbinde und leitete als Abwehrchef die Geschicke der Amsterdamer Defensive. Mit Blick auf die Probleme des FC Bayern könnte ein Transfer de Ligts die Stabilität in die Viererkette zurückbringen.

Mats Hummels und Jérôme Boateng plagen sich immer wieder mit Verletzungen herum und verlieren langsam, aber sicher an Qualität. De Ligt bringt vor allem viel Spielübersicht und Geschwindigkeit mit. Attribute, die angesichts der offensiven Spielweise der Bayern, die eine hochstehende Abwehrreihe fast schon zwangsläufig nach sich zieht, sehr wertvoll sein können. "Er ist beidfüßig stark, hat eine extrem gut Auswahl an Pässen, kann in der Luft gewinnen, Tore erzielen und ist hinten drin ein richtiger Anführer", sagt der ehemalige Weltklasse-Keeper Edwin van der Sar, der heute Geschäftsführer bei Ajax ist. Mit 2,3 Tacklings pro Spiel gehört de Ligt zu den besten Verteidigern in der Champions League, mit nur drei Fehlpässen pro Partie zu den passsichersten. De Ligt ist zudem noch formbar und trotz gezeigter Leistungen weit weg von seinem fußballerischen Zenit. Er könnte mit Niklas Süle die bayerische Abwehrzentrale bilden.

Gemacht für den Ballbesitz

Auf dem europäischen Transfermarkt ist es extrem schwer, gestandene Innenverteidiger von anderen Spitzenklubs abzuwerben. Viele bleiben, ähnlich wie Torhüter, lange ihren Arbeitgebern treu und übernehmen Führungsrollen, etwa wie Sergio Ramos, Gerard Piqué oder Giorgio Chiellini. Was es ebenfalls in Hülle und Fülle in Europa gibt, sind zentrale Mittelfeldspieler – aber nur wenige von der Qualität eines Frenkie de Jong. Viele Trainer schwärmen von der Spielintelligenz des 21-Jährigen, der in Ausnahmefällen auch in der Abwehr spielen kann. Bei Ajax laufen die meisten Angriffe über de Jong und dessen ungewöhnliche, aber durchdachte, Bewegungen auf dem Feld, die viele Gegner aus dem Konzept bringen.

De Ligt (rot) und Hummels (grau) im statistischen Vergleich in ihren bisherigen Champions-League-Partien in dieser Saison. (Werte pro 90 Minuten; Daten von Whoscored.com)

Zudem ist er eine Passmaschine. In den fünf Champions-League-Spielen in dieser Saison spielte er im Durchschnitt 80,8 Pässe und brachte über 90 Prozent davon zum Mitspieler. Das sind in Sachen Spieldominanz und Genauigkeit Werte, die nicht weit hinter Toni Kroos und Sergio Busquets liegen – was angesichts der etwas aggressiveren Spielweise de Jongs und seinen nicht so hochklassigen Mitspielern noch beeindruckender erscheint.

Die Mittelfeldzentrale der Bayern könnte einen solchen Spielertypen dringend gebrauchen. Beim Champions-League-Sieg 2013 war sie mit Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez noch das Prunkstück. Doch der eine spielt mittlerweile in den USA und der andere reicht – ähnlich wie Hummels und Boateng – nicht mehr an Leistungen vergangener Tage heran. Trainer Niko Kovac setzt immer häufiger auf Joshua Kimmich im Zentrum, wodurch dieser jedoch auf der rechten Abwehrseite fehlt.

"Das ist ein guter Spieler"

Auch andere Klubs, etwa Paris Saint-Germain, sind an den Diensten von de Jong interessiert. Trainer Thomas Tuchel würde liebend gerne mit ihm sein Ballbesitzspiel aufpäppeln. Selbst in der Hochburg des Ballbesitzes, in Barcelona, kursiert seit einiger Zeit der Name de Jong als Nachfolger von Busquets. Bei dieser Konkurrenz auf dem Transfermarkt haben es die Bayern nicht leicht, aber es bestätigt die Qualität von de Ligt sowie de Jong. Sportdirektor Hasan Salihamidzic wurde am Wochenende auf de Jong und eine kolportierte Einigung zwischen dem Spieler und Paris Saint-Germain angesprochen. "Das ist ein guter Spieler, keine Frage. Dann wäre Paris noch stärker", sagte er. "Ich kenne ihn schon lange. Er hat sich sehr gut entwickelt."

Nicht selten ist der FC Bayern in Verhandlungen, wenn er sich bei Nachfragen zu Transfers so bedeckt hält. Und der Klub hat immer wieder gute Erfahrungen mit Niederländern gemacht. Früher galt er vor allem als Top-Adresse für dänische Fußballer wie Johnny Hansen, Sören Lerby und Brian Laudrup. Der erste Niederländer von internationalem Rang war Jan Wouters, der zwischen 1991 und 1993 für die Münchner spielte. Zuvor war nur Martin Jol Ende der Siebziger Jahre für eine Saison bei den Bayern.

Seit der Jahrtausendwende kamen Torjäger Roy Makaay, Mittelfeldanker Marc van Bommel und Flügelstürmer Arjen Robben hinzu. Dass der niederländische Trainer Louis van Gaal 2009 seinen Landsmann Edson Braafheid holte, darüber wollen wohl alle bei den Bayern lieber nicht reden.

De Ligt und de Jong würden jedoch eher in die Kategorie Robben und Makaay fallen. Sie könnten eine neue Ära einleiten, die ob der Abgänge einiger langjähriger Leistungsträger, inklusive Robben, schon im kommenden Sommer eingeläutet werden sollte. Und eventuell hinterlassen beide heute Abend wieder ihre Visitenkarte, wenn sie den FC Bayern einmal mehr ein Bein stellen.

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