Thursday, 14th November 2019
14 November 2019

So läuft der 16. Spieltag (II): Bayern-Zufuhr ängstigt RB, S04 kickt gegen Neandertaler

Robert Lewandowski und der FC Bayern München wollen mit einem Sieg gegen RB Leipzig näher an Bundesliga-Spitzenreiter BVB heranrücken.

Von Christoph Rieke und Stefan Giannakoulis


Auf dem „Weg nach oben “ in der Fußball-Bundesliga muss der FC Bayern liverpool-eske Rasenballsportler bezwingen, der FC Schalke malocht für die Kumpel, in Mainz ist Derbyzeit. Und die 96-Kicker kämpfen um ihren Weihnachtsurlaub.

Was macht der FC Bayern?

Der geht auch die kommenden vier Jahre mit Präsident Uli Hoeneß als Aufsichtsratschef in die Zukunft. Und die ist ja bekanntermaßen digital. Für den deutschen Fußball-Rekordmeister ist dieses Feld längst kein Neuland mehr, er mischt dort nach eigenen Angaben sogar ganz vorne mit. "FC Bayern Digital 4.0" heißt das Projekt, das sich "einer tiefgreifenden digitalen Transformation" verschrieben hat und nun auch Dynamo Dresden auf dem Weg in die Zukunft begleitet. Ja, richtig gelesen: Der bayerische Vorzeigeklub nordet den sächsischen Zweitligisten künftig digital ein. Vielleicht können die Damen und Herren der FC Bayern Digital & Media Lab GmbH ja bei Gelegenheit auch dem E-Sports-Verteufler Hoeneß erklären, warum Digitalisierung auch im Sport gar nicht so schlimm ist.

Im realen Bundesligabetrieb stiefelt der FC Bayern immer noch den Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach hinterher. Immerhin führt dieser Weg "nach oben", wie Trainer Niko Kovac betont. Und nach dem vorweihnachtlichen Wunder der Fortuna gegen den BVB könnten die Münchner mit einem Heimsieg gegen Rasenballsport Leipzig an diesem Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) den Rückstand auf den Tabellenführer auf sechs Punkte verkleinern.

Der Meisterschaftskampf ist nun noch spannender, als es im Vergleich zu den Vorsaisons ohnehin schon war. Damit das so bleibt, müssen allerdings auch die Bayern-Spieler etwas dazu beitragen. Ein Sieg gegen die viertplatzierten Gäste aus Leipzig an diesem 16. Spieltag wäre nicht nur im Titelrennen vorteilhaft. Auch mit Blick auf den frisch zugelosten Champions-League-Achtelfinalgegner FC Liverpool ist das Spiel ein Härtetest, wie der Trainer weiß: "Leipzig hat auf jeden Fall dieselben Grundideen: Schnelles Umschalten mit schnellen tollen Fußballern", sagte Kovac: "Es ist schon richtig, dass das am Mittwoch in etwa ähnlich ist."

Jedenfalls haben Robert Lewandowski und Co. eine harte Nuss zu knacken, ehe sie in der Münchener Arena einer Lichtshow beiwohnen dürfen: Es geht gegen die beste Defensive der Liga. Nur 14 Gegentreffer kassierten die Rasenballsportler von Trainer Ralf Rangnick, beim FC Bayern summiert sich diese Zahl auf 18. Und wenn es den Leipzigern gelingt, dieses Abwehrniveau zu halten – oder wie Rangnick es nennt: die offensive "Zufuhr zu unterbrechen" -, dann zögen sie mit einem Sieg gar an den Bayern vorbei und mischten im Titelrennen mit, oder? "Gebt uns noch fünf Jahre, dann sind wir so weit, vielleicht auch eine Meisterschaft zu holen", sagte Angreifer Yussuf Poulsen wenig angriffslustig der "Freien Presse".

Auch sein Sturmpartner Timo Werner, aktuell heißgehandelter Kandidat für die künftige Bayern-Offensive, gibt sich bescheiden: "Es wäre ganz schön, wenn wir die Partie mal mit elf Leuten beenden könnten", sagte er und erinnerte daran, dass sich sein Team in zwei Duellen mit dem FC Bayern jeweils einen Platzverweis eingefangen und anschließend verloren hatte. Sein Trainer hingegen hat einen anderen Blick in die Vergangenheit: "Vor fünf, sechs Wochen wäre es sicher einen Tick leichter gewesen, dort zu spielen", sagte Rangnick. Doch der FC Bayern agiert jetzt in einer anderen Zeit. Wir glauben an eine funktionierende "Zufuhr" der Münchner und kommen zu folgendem Tipp: 3:1.

FC Schalke 04 – Bayer Leverkusen (18.30 Uhr): Wenn's sportlich schon nicht so prall läuft, dann eben optisch. In seinem letzten Heimspiel dieses denkwürdigen Schalke-Jahres sorgt der Klub aus Gelsenkirchen für eine modische Bundesliga-Premiere. Weil mit dem Bottroper Bergwerk Prosper Haniel die letzte Steinkohlezeche Deutschlands dicht macht, laufen die Spieler des Kumpelklubs gegen Bayer Leverkusen mit Spezialtrikots auf – und zwar jeweils mit dem Namen einer ehemaligen regionalen Zeche auf der Brust. Erstmals ist es also einer Mannschaft erlaubt, mit verschiedenen Trikotmotiven zu spielen. Um die Verbundenheit mit den Kumpel noch mehr zu verdeutlichen, hat Schalke 2000 Bergleute eingeladen. Bei aller Emotion mahnt Trainer Domenico Tedesco vor seinem 50. Bundesligaspiel: "Wir wissen, welche Bedeutung dies für die Region hat. Aber wir müssen unseren Fokus primär auf den Sport richten und wollen die drei Punkte." Die haben die Königsblauen auch bitter nötig, denn sie liegen mit 15 Punkten nur einen Zähler vor dem Relegationsplatz. Allerdings sind die Stürmer Guido Burgstaller, Breel Embolo, Mark Uth und Franco Di Santo weiter verletzt. Heißt: Steven Skrzybski und Cedric Teuchert müssen's richten.

Düster sieht's auch bei den Gästen aus Leverkusen aus. Nach dem 1:2 bei Eintracht Frankfurt stehen sie mit 18 Punkten nur minimal besser da. "Immer wenn wir den Anschluss mit einem Erfolg herstellen können, gibt es einen Rückschlag", quengelte Torwart Lukas Hradecky: "Das zieht sich wie ein Virus durch die Saison." Längst wird laut und heftig über das Aus von Trainer Heiko Herrlich spekuliert, doch der wiegelt ab und wähnt sich im Jagdmodus. "Ein Neandertaler geht morgens raus aus der Höhle zum Jagen und blendet alle Unwägbarkeiten aus. Täte er das nicht, könnte er gar nicht rausgehen", erklärte er. Beim Werksklub geht es also auch steinzeitlich zu. In diesem Sinne: Glück auf! Tipp: 2:1, die Schalker malochen sich zum fünften Saisonsieg.

"Es gibt schon genug Aufregung um ihn": Joshua Sargent.

SV Werder Bremen – TSG Hoffenheim (20.30 Uhr): Bei den Bremern hat einer jüngst in seinem allerersten Bundesligaspiel ein Tor erzielt, der erst 18 Jahre alt ist und aus Amerika kommt. Da Joshua Sargent rote Haare hat, hat der Sportinformationsdienst prompt einen Hype um den Tor-Pumuckl ausgemacht. Der Angreifer hatte im Spiel gegen Düsseldorf mit seiner ersten Ballberührung im deutschen Profifußball per Kopf zum entscheidenden 3:1 getroffen. Das ist aber auch eine schöne Geschichte. "Beginner's luck", "Anfängerglück", twitterte Sargent. Der Verein hat ihm verboten, mit den Medien zu sprechen. "Es gibt schon genug Aufregung um ihn", sagte Trainer Florian Kohfeldt. "Wir müssen alle aufpassen, welche Erwartungen wir an ihn stellen. Wenn er bis zum Sommer fünf, sechs Bundesliga-Einsätze gemacht hat, dann war das ein gutes Jahr für ihn." Fest steht, dass Sargent einer ist, der schnell zur Sache kommt. In Werders U23, wo er seit diesem Sommer regelmäßig zu den Torschützen zählt, traf er bei seinem Debüt. Auch bei seiner Premiere in der Nationalelf im Mai markierte er einen Treffer, ebenso in seinem ersten U20-Länderspiel für die USA. Tipp: 1:0, Sargent (63.).

FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr): Wenn die Frankfurter die knapp 40 Kilometer mainabwärts fahren und dann den Rhein überqueren, um sich in Mainz mit dem FSV bei einem Fußballspiel zu messen, dann gibt es für sie meist nicht viel zu holen. Nur einmal hat die Eintracht dort das Derby gewonnen, und das liegt 32 Jahre zurück: am 26. Oktober 1986 in der zweiten Runde des DFB-Pokals, mit 1:0 in der Verlängerung. Damals allerdings spielten die Mainzer noch in der drittklassigen Oberliga bei den Amateuren. Adolf Hütter, der seit dem Sommer die Frankfurter trainiert, weiß um diese negative Bilanz. Und er würde sie am liebsten nicht zum Thema machen: "Jedes Spiel ist ein neuer Anlauf, und das Ziel ist immer, eine Serie zu brechen." Um das zu schaffen, "müssen wir von Beginn an den Kampf annehmen", sagte Hütter: "Es wird ein kampfbetontes Spiel. Aber wir sind körperlich noch sehr gut drauf." Tipp: 2:1, die Serie hält.

Urlaubssperrer: André Breitenreiter.

SC Freiburg – Hannover 96 (20.30 Uhr): In Hannover scheinen sie ja richtig gute Laune zu haben. Trainer André Breitenreiter droht seinen Profis mit Urlaubssperre über Weihnachten und Neujahr. "Wir haben uns in den letzten 14 Tagen in gleich zwei Spielen wehrlos ergeben. Das ist eine Ausnahmesituation." Er und Manager Horst Heldt hätten daher "beschlossen, es etwas rauer angehen zu lassen". Willkommen beim Tabellenletzten. Schließlich sei es so: "Wenn meine Versetzung in der Schule gefährdet ist, dann mache ich auch nicht vier Jahre, vier Wochen oder vier Tage Urlaub, sondern dann übe ich". Wenn das so weitergeht, setzt sich der nach Allmacht strebende Klubpräsident Martin Kind demnächst noch selbst auf die Bank. Wesentlich ruhiger geht es bei den Freiburgern zu. Die jüngste Niederlage bei der Fortuna in Düsseldorf bezeichnete Trainer Christian Streich zwar als "Niederschlag", aber "nun die Spannung da". Tipp: 2:0. Was Breitenreiter vielleicht nicht bedacht hat: Er hat dann ja auch keinen Weihnachtsurlaub.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Es war klar, dass die mit elf Mann hinten drin stehen. Ich weiß den Namen meines Gegenspielers nicht. Der wäre mir – keine Ahnung wohin – gefolgt." Dortmunds Kapitän Marco Reus nach dem 1:2 bei den defensivstarken Düsseldorfern am Dienstag.

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