Tuesday, 18th December 2018
18 Dezember 2018

Nach Organspende: Kind aus dem Uterus einer Verstorbenen geboren

Gebärmuttertransplantationen können unfruchtbaren Frauen Schwangerschaften ermöglichen. In Brasilien wurde erstmals der Uterus einer toten Spenderin verpflanzt.

Im Dezember 2017 wurde das erste Kind nach Transplantation des Uterus einer Verstorbenen geboren. Jetzt wurde die erfolgreiche…

In Brasilien ist erstmals ein Kind geboren worden, dessen Mutter die Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin transplantiert bekommen hatte. Das sei einer Forschungsgruppe um Dani Ejzenberg und Wellington Andraus von der Universität São Paulo gelungen, berichtete das Fachblatt „The Lancet“ am Mittwoch. Demnach ist das Mädchen bereits vor etwa einem Jahr gesund auf die Welt gekommen.
Für eine Reihe von Frauen könnte eine Gebärmuttertransplantation die einzige Möglichkeit sein, eigene Kinder zu bekommen. Betroffen sind Frauen, deren Gebärmutter durch Unfälle, Infektionen oder nach Tumorerkrankungen beschädigt wurde. Auch genetische Veränderungen können dazu führen, dass sie keine oder eine zu kleine Gebärmutter haben. Betroffen sind bis zu 10.000 Frauen, schreibt das Uniklinikum Erlangen, wo ein Zentrum für Gebärmuttertransplantationen in Planung ist. Die erste Verpflanzung eines Uterus in Deutschland wurde allerdings im Oktober 2016 an der Universitätsklinik Tübingen durchgeführt.

Vorher nur Gebärmütter lebender Frauen verpflanzt

Weltweit wurden insgesamt schon etwa 20 erfolgreiche Gebärmuttertransplantationen durchgeführt, zuerst 2014 in Schweden. Bis jetzt stammten die Gebärmütter aber immer von lebenden Spenderinnen. Bei dem brasilianischen Fall wurde einer 32-jährigen Frau, die aufgrund einer seltenen Erkrankung keine Gebärmutter besaß, im September 2016 in einer zehnstündigen Operation der Uterus einer verstorbenen 45-Jährigen eingepflanzt.
Bereits beim ersten Versuch wurde sie sieben Monate später durch künstliche Befruchtung schwanger. Weitere 36 Wochen später kam das gesunde Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Bei der Operation wurde auch die Gebärmutter wieder entfernt. Auch sieben Monate später waren Mutter und Kind wohlauf.

Spenderorgane Verstorbener bietet großes Potenzial

Wellington Andraus sieht in der Operation großes Potenzial: Wie auch bei anderen Organspenden ist die Zahl der Spenderorgane bei Gebärmüttern deutlich geringer als die Zahl der Frauen, die auf eine Transplantation warten. Lebendspenden unterliegen außerdem sehr strengen Kriterien und stoßen bei vielen Menschen auf ethische Bedenken, da die Spenderin eine achtstündige Operation mit entsprechenden Risiken in Kauf nehmen muss, ohne dass es um akute Lebensrettung geht. Wenn auch Organe Verstorbener verwendet werden, könnte sich die Situation jetzt deutlich verbessern. Ein fehlender oder verletzter Uterus sei kein Grund mehr, nicht schwanger werden zu können, glaubt Andraus.

Auch mehrere Kinder sollen mit transplantierten Uteri möglich werden

In einem nächsten Schritt sollten Frauen auch mehrfache Schwangerschaften ermöglicht werden, sagt der Operateur. Da der transplantierte Uterus gut vertragen wurde, sei er zuversichtlich, dass auch ein längeres Verbleiben im Körper mit nur geringen Dosen von Immunsuppressiva möglich ist. Diese Medikamente sollen eine Abstoßung des Fremdgewebes verhindern.

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