Monday, 20th May 2019
20 Mai 2019

Fairtrade kommt aus der Nische

Kaffee, Kakao oder Baumwolle produzieren und davon gut leben können? Für viele Bauern ist das noch immer eine Utopie. Doch die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten steigt. Sabine Kinkartz berichtet.

77 Cent für ein Kilogramm Bananen, ein Euro für ein T-Shirt, weniger als drei Euro für eine Packung Kaffee: In deutschen Einkaufsstraßen sind solche Preise keine Seltenheit. „Bananen sind in Deutschland seit 20 Jahren nicht teurer geworden“, stellt Dieter Overath fest, Vorstand von Transfair Deutschland.

Existenzsichernde Einkommen seien bei solchen Preisen für die Bauern nicht zu erzielen. Overath setzt sich seit vielen Jahren für fairen Handel ein. Dabei geht es nicht nur darum, den Erzeugern einen bestimmten Mindestpreis zu zahlen, sondern auch darum, soziale und ökologische Standards einzuhalten.

19 Euro für Fairtrade-Produkte

Mit Kaffee kam 1992 das erste Lebensmittel mit Fairtrade-Siegel in die Regale. Inzwischen tragen bundesweit mehr als 7000 Produkte in den fünf großen Kategorien Kaffee, Bananen, Kakao, Schnittrosen und Textilien das grün-blau-schwarze Fairtrade-Logo. Weltweit nehmen heute mehr als 1,6 Millionen Landwirte an Fairtrade-Programmen teil.

Das ist nur möglich, weil die Nachfrage in den Abnehmerländern kontinuierlich steigt. 2005 lag der Umsatz mit Fairtrade-Produkten in Deutschland bei 50 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es 1,6 Milliarden Euro. Jeder Deutsche gab 2018 durchschnittlich 19 Euro für Produkte mit Fairtrade-Siegel aus.

Rosen und Kakao vorne

Gemessen am Gesamtumsatz im Lebensmittel-Einzelhandel, der in Deutschland bei rund 123 Milliarden Euro liegt, erscheint das gering. So dürfe man aber nicht rechnen, meint Dieter Overath. „Dieser Vergleich hinkt, denn unser Anteil bei Milch, Fleisch und Joghurt ist gleich Null, weil diese Produkte nicht aus dem globalen Süden kommen und darauf konzentrieren wir uns ja.“

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Den größten Marktanteil haben mit 28 Prozent fair gehandelte Schnittrosen. 427 Millionen Stiele gingen im vergangenen Jahr über die Ladentheken. Ein Plus von fünf Prozent. Fairtrade-Bananen erreichten mit 92.000 verkauften Tonnen einen Anteil von sechs Prozent, doch das könnte sich deutlich nach oben entwickeln. Im vergangenen Jahr hat der Discounter Lidl angekündigt, in Zukunft nur noch fair gehandelte Bananen verkaufen zu wollen. Die Umstellung läuft, die Quote liegt derzeit bereits bei 40 Prozent.

Konzerne geraten unter Erklärungsdruck

Der Verkauf von fair gehandeltem Kaffee ist im vergangenen Jahr auf 20.000 Tonnen gestiegen, der Umsatz wuchs um elf Prozent. Overath betont allerdings, die Kaffeebauern litten zunehmend unter niedrigen Börsenpreisen sowie Ernteausfällen durch den Klimawandel. Derzeit liege der Weltmarktpreis für Rohkaffee weit unter dem, was für einen nachhaltigen Anbau nötig sei. Junge Leute würden sich von der Landwirtschaft abwenden, weil sie nicht von ihr leben können.

Die Preise für Rohkaffee sind so niedrig wie nie

Besser sieht es beim Kakao aus – auch, weil Konzerne wie Ferrero, Lambertz oder die Riegelein-Gruppe damit begonnen haben, einen Teil ihrer Kakaobohnen für die Schokoladenherstellung von Fairtrade-Produzenten zu beziehen. Der Absatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent auf 55.000 Tonnen. „Der Einfluss, den Fairtrade inzwischen hat, ist sogar größer als der reine Marktanteil“, freut sich Overath. „Auch die Unternehmen, die nicht fair handeln, geraten zunehmend unter Erklärungsdruck, wie sie denn in den globalen Lieferketten agieren und wie fair oder nicht fair sie vor Ort sind.“

Was macht die Politik?

Trotzdem ist weiterhin viel Luft nach oben. „Der faire Handel wächst, aber er wächst nicht schnell genug“, stellt Overath fest. Ein exportorientiertes Land wie Deutschland sollte auch als Importeur auf faire Preise setzen, fordert er. „Warum soll eine Banane, die 10.000 Kilometer entfernt angebaut wird, nicht die gleichen Bedingungen haben, wie das, was wir hier in unserem Arbeitsleben als selbstverständlich ansehen?“

Dieter Overath (Mitte) mit dem Jahresbericht, neben Maria Flachsbarth vom Entwicklungsministerium und Thilo Hoppe (r.) von Fairtrade

Eine Ansicht, die auch in der Politik geteilt wird. Es müsse deutlich mehr darauf geachtet werden, dass am Anfang globaler Lieferketten ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden, die in Europa längst selbstverständlich seien, fordert Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, „verbindliche soziale, menschenrechtliche und ökologische Standards in EU-Handels-, Investitions- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen“ einzuhalten.

Streit um das Lieferkettengesetz

Doch derzeit setzt der „Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ (NAP) noch auf das Prinzip Freiwilligkeit. Da das nur unzureichend oder gar nicht funktioniert, droht der Minister inzwischen damit, die Einhaltung menschenrechtlicher Standards für Unternehmen entlang ihrer globalen Lieferketten notfalls zu erzwingen. Eine solche gesetzliche Regelung ist innerhalb der Koalition allerdings umstritten.

Von Fairtrade bekommt Minister Müller diesbezüglich hingegen Unterstützung. „Wir sind für gesetzliche Bestimmungen und wir sind dafür, dass der ganze Handel fair und nachhaltig wird und irgendwann einmal Transfair gar nicht mehr nötig ist“, so Dieter Overath.

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