Saturday, 28th May 2022
28 Mai 2022

Führung, Schlendrian, Elferfrust: Freiburg raubt Hertha den Heim-Nimbus

Der Ball war in Berlin meist hart umkämpft – und lag in 90 Minuten je einmal im Tor der Herthaner und der Freiburger.


„Alte Dame“ in Berlin bestohlen: Das Bundesliga-Duell mit Angstgegner SC Freiburg kostet Hertha BSC erst Nerven und letztlich die perfekte Heimbilanz. Auch eine frühe Führung bringt Hertha keine Sicherheit – ehe Freiburg kurz vor Schluss noch Videobeweisglück hat.

Hertha BSC hat im Duell mit dem ungeliebten SC Freiburg seine makellose Heimbilanz in der Festung Olympiastadion eingebüßt. Nach begeisternden Siegen über den FC Bayern und Borussia Mönchengladbach kamen die Berliner vor 53.716 Zuschauern nicht über ein 1:1 (1:1) gegen die Breisgauer hinaus und verpassten den möglichen Sprung auf Platz zwei der Fußball-Bundesliga. Ondrej Duda (7.) brachte das Team von Trainer Pal Dardai zwar mit seinem sechsten Saisontreffer in Führung, per abgefälschtem Schluss glich Robin Koch (36.) jedoch für die Gäste aus. In der 88. Minute nahm Schiedsrichter Benjamin Cortus einen zunächst verhängten Foulelfmeter für die Hausherren nach Videobeweis wieder zurück.

Robin Koch rettete Freiburg einen Punkt in Berlin.

Damit blieb Hertha im vierten Heimspiel dieser Saison erstmals ohne Sieg. Allerdings ist der SC auch der Angstgegner der "Alten Dame" aus Berlin: In den vergangenen elf Aufeinandertreffen mit den Freiburgern gab es nur einen Berliner Sieg. Die Mannschaft von Coach Christian Streich setzte sich dank einer Leistungssteigerung nach schwachem Start weiter im Mittelfeld der Tabelle fest.

Freiburger Konfusion

Freiburg präsentierte sich zu Beginn defensiv noch völlig konfus, brachte sich durch ungenaue Pässe selbst in Bedrängnis. Keeper Alexander Schwolow rief seine Vorderleute früh lautstark zur Ordnung. Die verdiente frühe Hertha-Führung resultierte aber aus einem feinen Angriff: Kapitän Vedad Ibisevic legte im Mittelfeld für Per Skjelbred auf, der Norweger schickte Duda in die Tiefe. Der Slowake tanzte den überforderten Lukas Kübler aus und versenkte überlegt. Duda traf damit wie schon in den vorigen Heimspielen gegen den Bayern (2:0) und Mönchengladbach (4:2).

Freiburg konnte zunächst nicht mithalten. Neben Florian Niederlechner und Kapitän Mike Frantz fehlte in Jerome Gondorf (Muskelfaserriss) kurzfristig ein weiterer Etablierter. In seinem zweiten Startelf-Einsatz der Saison kam U21-Nationalspieler Luca Waldschmidt lange kaum zur Geltung. Bei der Rückkehr nach Schultereckgelenkprellung saß Nils Petersen zunächst auf der Bank. So ließen Kalou (28.), Duda (29.) und Valentino Lazaro (33.) gute Chancen aus, für Hertha zu erhöhen.

Mit der Führung kommt der Schlendrian

Doch mit der Überlegenheit schlich sich bei den Berlinern auch eine gewisse Lässigkeit ein. Und diese bestrafte Freiburg sofort. Der erstmals von Beginn eingesetzte Derrick Luckassen spitzelte Waldschmidt den Ball vom Fuß, den Knaller von Koch aus mehr als 20 Metern fälschte Arne Maier unglücklich und unhaltbar für Torwart Rune Jarstein ins eigene Netz ab. Zur Halbzeit reagierte SCF-Trainer Streich auf die Harmlosigkeit seines Teams, brachte Petersen für den ineffektiven Marco Terrazzino. Und nach nur 50 Sekunden hatte der Olympia-Silbergewinner die große Chance zur Führung, Lazaro lenkte aus kurzer Distanz aber noch zur Ecke.

Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem beide Teams immer wieder Nadelstiche setzen konnten. Die beste Chance zum Hertha-Sieg vergab Ibisevic auf Flanke des ansonsten wirkungslosen Javairo Dilrosun nach gut einer Stunde. Die Berliner drückten weiter auf den vierten Heimerfolg, ließen aber die letzte Konsequenz vermissen. In der 83. Minute rettete Hertha-Keeper Rune Jarstein aus kurzer Distanz gegen Waldschmidt zumindest noch einen Punkt. Dann sorgte Referee Cortus noch einmal für Aufregung, als er nach einem angeblich Foul von Manuel Gulde an Palko Dardai zunächst auf Strafstoß entschied. Nach einem Blick auf die Videobilder aber revidierte er sich – und besiegelte so das Remis.

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