Monday, 5th December 2022
5 Dezember 2022

Angriff auf britische Regierung: Trump beschimpft Botschafter als „dummen Kerl“

Donald Trump hat den britischen Botschafter als „dummen Kerl“ und „verrückt“ bezeichnet. (Quelle: AP/dpa)

Der Streit zwischen Trump und der britischen Regierung geht in die nächste Runde. Der US-Präsident attackiert in einer Schimpftirade Theresa May wegen des Brexit-Desasters und beleidigt den britischen Botschafter.

US-Präsident Donald Trump hat seine Serie harscher Attacken auf die britische Premierministerin Theresa May und ihren Botschafter in den USA fortgesetzt. Im Kurzbotschaftendienst Twitter bezeichnete Trump den britischen Diplomaten Kim Darroch am Dienstag als „verrückten Botschafter“ und als „sehr dummen Kerl“. Weiter schrieb der US-Präsident: „Ich kenne den Botschafter nicht, aber mir wurde gesagt, er sei ein aufgeblasener Dummkopf.“

The wacky Ambassador that the U.K. foisted upon the United States is not someone we are thrilled with, a very stupid guy. He should speak to his country, and Prime Minister May, about their failed Brexit negotiation, and not be upset with my criticism of how badly it was…

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) July 9, 2019

Mit Blick auf den deutlich verzögerten EU-Austritt schrieb Trump, er habe May gesagt, wie sie einen Deal mit der EU erreichen könne. „Aber sie ist ihren eigenen, törichten Weg gegangen – und war unfähig, es hinzukriegen. Ein Desaster!“, schrieb Trump.

I have been very critical about the way the U.K. and Prime Minister Theresa May handled Brexit. What a mess she and her representatives have created. I told her how it should be done, but she decided to go another way. I do not know the Ambassador, but he is not liked or well….

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) July 8, 2019

Offenbar in Anspielung auf Darrochs intern geäußerte, negative Einschätzung zu Trumps Regierung schrieb der US-Präsident: „Sagt ihm, die USA haben nun die beste Wirtschaft und das beste Militär auf der ganzen Welt, mit Abstand und sie werden nur größer, besser und stärker.“ Die Nachricht endete mit „Danke, Herr Präsident!“, womit sich Trump offenbar selbst meinte.

Donald Trump und Theresa May: Das Verhältnis der britischen Premierministerin zum US-Präsidenten war schon vor dem jüngsten Streit schwierig. (Quelle: imago images)

Geheime Schreiben des britischen Botschafters

Am Montag hatte Trump angekündigt, seine Regierung werde keinen Kontakt mehr mit Darroch pflegen. Der Diplomat sei in den USA „nicht beliebt“ und genieße kein Ansehen. May warf er vor, beim Brexit „Chaos“ verursacht zu haben. Die „gute Nachricht für das wunderbare Vereinigte Königreich“ aber sei, dass das Land „bald einen neuen Premierminister“ haben werde, schrieb Trump weiter.

….thought of within the U.S. We will no longer deal with him. The good news for the wonderful United Kingdom is that they will soon have a new Prime Minister. While I thoroughly enjoyed the magnificent State Visit last month, it was the Queen who I was most impressed with!

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) July 8, 2019

Hintergrund von Trumps Twitter-Tirade ist das Bekanntwerden kritischer Memos des britischen Botschafters. In von der britischen Zeitung „Mail on Sunday“ abgedruckten geheimen Briefings soll Darroch Trumps Regierung als „einzigartig dysfunktional“ bezeichnet haben. Der US-Präsident wird dem Bericht zufolge als „unsicher“ und „inkompetent“ beschrieben. Trump ist offenbar erbost darüber, dass die britische Regierung sich hinter Darroch gestellt hat, auch wenn sie sich inhaltlich von der Einschätzung des Botschafters distanziert hat.

May sprach Darroch ihre Unterstützung aus

Theresa May bekräftigte nach den Tweets des US-Präsidenten am Montagabend ihre Unterstützung für den Spitzendiplomaten: „Sir Kim Darroch hat weiterhin die volle Unterstützung der Premierministerin“, sagte ein Regierungssprecher in London. Das britische Außenministerium suche nach den Verursachern des Lecks. „Natürlich wird es ernste Konsequenzen geben, falls und sobald wir herausfinden, wer verantwortlich ist“, sagte der britische Außenminister Jeremy Hunt am Montag. 

Kim Darroch verfolgt eine Pressenkonferenz von Theresa May und Donald Trump im Weißen Haus. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

Hunt distanzierte sich von Darrochs Einschätzung, es handle sich um „persönliche Meinungen“. Die US-Regierung bleibe unter Trump „höchst effektiv und der bestmögliche Freund Großbritanniens auf der internationalen Bühne“. Sein Ministerium will untersuchen, wie die Inhalte der Memos bei der Presse landen konnten. Britische Diplomaten in der ganzen Welt müssten darauf vertrauen können, „dass sie uns weiterhin ihre ehrlichen Einschätzungen geben können“.

Das Außenministerium stellte die Echtheit der Vermerke nicht infrage. Eine Sprecherin sagte, Botschafter würden dafür bezahlt, „dass sie ehrlich sind“ und Minister mit einer „aufrichtigen, ungeschminkten Einschätzung der Politik in ihrem Land versorgen“. Laut der Zeitung „Daily Telegraph“ sehen bis zu 100 Menschen im Außenministerium und anderen Regierungsstellen solche Vermerke. Doch nur wenige hochrangige Ministeriumsvertreter hätten Zugang zu den gesamten Unterlagen.

Farage fordert Darrochs Abberufung

Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten. Seine Amtszeit läuft noch bis Ende des Jahres. Dann ist es am neuen Premierminister, einen britischen Botschafter für die USA zu ernennen. Neben Ex-Außenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson ist auch Hunt noch im Rennen um Mays Nachfolge an der Partei- und Regierungsspitze.
 

 
Der Vorsitzende der Brexit-Partei, Nigel Farage, forderte im Kurzbotschaftendienst Twitter Darrochs Abberufung. Im Gespräch mit dem Radiosender BBC relativierte Farage Spekulationen, er strebe dessen Nachfolge an. „Ich bin kein Diplomat und darüber herrscht Einigkeit, glaube ich“, sagte Farage. Allerdings könne er sehr nützlich dabei sein, Beziehungen zu pflegen „mit einer Regierung, in der Freunde von mir sitzen“.

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